Chronik - Gesangverein 1876 Mainz-Marienborn e.V.

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Verein

Vom Männergesangverein zum Gemischten Chor

Der „Gesangverein 1876 Mainz-Marienborn e.V." ist der älteste Marienborner Ortsverein.
Er wurde am 2. April 1876 unter dem Namen „Männergesangverein Marienborn" (MGV) gegründet.
Am Gründungstag ging über Marienborn und weite Teile Rheinhessens ein so schweres Unwetter nieder, dass der Bahndamm der 1871 in Betrieb genommenen Strecke Mainz - Alzey stark beschädigt wurde.
Als Dirigent Freitag, vom Stadttheater Mainz, am Abend die überflutete Hauptstraße überquerte, blieb einer seiner Zugstiefel im Schlamm stecken, den man Wochen später in der Gewann „Neun Morgen" fand.
Trotz dieser widrigen Umstände konnte  die erste Chorprobe stattfinden und das Lied
Sah ein Knab ein Röslein steh´n" einstudiert werden.

Unter seinem rührigen Gründungspräsidenten Johann Happel nahm der Gesangverein einen steten Aufschwung.
Durch Konzerte, Theateraufführungen und Liedbeiträge bei Vereins- und Familienfeiern sowie achtbaren Erfolgen bei Wettstreiten und Wertungssingen konnte schnell eine hohe Akzeptanz erreicht werden.
Um bei Sängerfesten und Festzügen präsenter zu sein, legte sich der Gesangverein eine Fahne zu, die den Sängern anlässlich der Fahnenweihe an Pfingsten 1886 übergeben wurde.

Im Sommer 1901 wurde unter Präsident Johann Gustav Happel das 25-jährige Vereinsjubiläum auf dem Festplatz im Garten der Gaststätte Christoph Sickinger - heute Fa. Richter - gefeiert.

Weitaus größer beging man im Juni 1926 das 50-jährige Bestehen mit  Präsident August Sickinger.  
Über 3000 Besucher, darunter 850 Sänger, kamen mit dem Sonderzug, mit Bussen oder zu Fuß aus den Nachbargemeinden in die „Festhalle" an der Klein-Winternheimer Straße / Ecke Kirschhecke zum Sängerwettstreit und Festzug in das damals  unter Bürgermeister Konrad Frohnweiler gerade einmal 850 Einwohner zählende Marienborn.

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Jäh unterbrochen wurde die positive Entwicklung zweimal durch die schrecklichen Ereignisse der beiden Weltkriege, bei denen 13 Sänger ihr Leben lassen mussten.
Im Rahmen einer „Metallspende" wurden 1941 alle errungenen Pokale des Gesangvereins sowie zwei Glocken der Marienborner Kirche eingeschmolzen.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Überwindung des Verbotes jeglicher Vereinstätigkeit durch die Französische Militärregierung lud der Männergesangverein erstmals an Ostern 1947 unter dem Vorsitzenden und Bürgermeister Anton Krost in den Saal Frohnweiler ein und konnte somit in der Bevölkerung wieder Lebenslust und Frohsinn wecken.

In den ersten Nachkriegsjahren hatten die Vereine einen weitaus höheren Stellenwert als heute.
Sie waren in dieser noch fernsehfreien Zeit nicht nur Unterhalter, sondern leisteten einen wichtigen kulturellen Beitrag.
Sie boten durch Konzerte, Laienspiel, Tanzveranstaltungen, Ausflüge usw. den durch die Kriegswirren und materielle Not stark belasteten und oft einsamen Menschen neue Anlaufpunkte,  Freundschaften und Zukunftsperspektiven und integrierten so auch Flüchtlinge und Heimatvertriebene.
So konnte dann im Juli 1951 mit 42 Sängern unter starker Beteiligung der Bevölkerung das 75-jährige Vereinsjubiläum mit Fahnenweihe gebührend im Festzelt auf dem Sportplatz gefeiert werden.

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Der Aufschwung der 50er Jahre war leider nicht von Dauer.
Gegen Ende der 60er Jahre war die Sängerzahl auf ca. 20 Aktive gesunken, zu wenig um gut weiter zu singen, zu schade um aufzuhören.  
Die zukunftweisende Idee kam mit dem jungen Chorleiter Klaus Minden. Sein Vorschlag, es mit den Sängern des Sängerbundes Drais einmal gemeinsam zu versuchen, führte am 18. November 1970 zur Gründung der Chorgemeinschaft Marienborn/Drais.

In Marienborn war Paul Fabian Vorsitzender, in Drais Paul Baumann. Beide Vereine behielten ihre Unabhängigkeit.
Die Chorproben fanden in wöchentlich wechselndem Rhythmus in der Kulturhalle in Marienborn und im „Lerchennest" in Drais statt.
Gemeinsam wurden nun Konzerte veranstaltet, Wettstreite, Wertungs- und Freundschaftssingen besucht, Gottesdienste mit gestaltet und - wie es Tradition ist und dem örtlichen Charakter entspricht - Ständchen zu runden Geburtstagen und Familienfeiern gebracht.

Das harmonische Zusammenwirken ermöglichte es, im Juli 1976 unter dem Vorsitzenden Ernst Münch das 100-jährige Bestehen in großem Stil im Festzelt auf dem Sportplatz zu begehen.
Aus diesem Anlass verlieh Bundespräsident Walter Scheel dem Männergesangverein Marienborn „als Auszeichnung für die in langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege der Chormusik und des Deutschen Volksliedes" die Zelter-Plakette.

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Beliebt waren damals Mehrtagesfahrten, verbunden mit Gesangsauftritten, die zum Teil nach Österreich, Italien oder die Niederlande führten.

Gerne erinnern sich die Sänger an die internationalen Chortage von Prag, als die Chorgemeinschaft 1989 mit Chorleiter Gerhard Vetter durch sehr gut bewertete Lied- und Chorvorträge unter 13 Vereinen das silberne Band gewann.

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Unter dem Motto „Sing mit" kam es am 15. Mai 1986 zur Gründung eines Frauenchores, der sich dem Männergesangverein anschloss und unter Chorleiter Uwe Schmidt eine sehr gute Entwicklung nahm.

Im gleichen Jahr luden die beiden Chöre erstmals 3 Tage lang zum fröhlichen Kerbetreiben im Schatten der barocken Wallfahrtskirche in die „Sängerklause" im Hof Frohnweiler ein.

Prominenter  Besuch kündigte sich am 19. September 2010 in der „Sängerklause" an. Nach dem Pontifikalamt, anlässlich des 250-jährigen Weihejubiläums der Pfarr- und Wallfahrtskirche Sankt Stephan Marienborn, begab sich Kardinal Lehmann mit Dekan, Pfarrvikar und  Pfarrgemeinderatsmitgliedern in die „Sängerklause".
Gemeinsam nahmen sie dort das vom Gesangverein servierte Mittagessen ein und beendeten bei einem guten Glas Wein die Festwoche.

Leider war 2010 auch das letzte Jahr wo die "Sängerklause" an Marienborner Kerb betrieben wurde, es war einfach zu wenig "Personal" für den Auf- und Abbau sowie für den Betrieb des Standes vorhanden.

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Im Jahre 1991 begaben sich die Sängerinnen mit viel Anhang zu einer mehrtägigen Busfahrt an den Gardasee.
Neben dem Besuch von Konzerten, Stadtbesichtigungen von Verona und Venedig, kam es zu einem gut bewerteten Auftritt bei den internationalen Chortagen von Verona sowie einem unvergesslichen Abend in Montecchia di Crosara beim Coro Tre Monti mit Gesang und gutem Wein.

Ein Gegenbesuch der Sänger aus Italien erfolgte ein Jahr später und fand seinen Höhepunkt in einem gemeinsamen, mit viel Beifall bedachten Konzert in Marienborn.

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Es ist seit vielen Jahren Tradition, dass der Gesangverein zu Konzerten befreundete Chöre zur Mitgestaltung einlädt.

So auch zur Tausendjahrfeier Marienborns, als der Frauenchor, die Chorgemeinschaft Marienborn/Drais, der ZDF-Chor sowie der Kammerchor Elsheim am 18. November 1995 in die Wallfahrtskirche St. Stephan einluden.
In diesem barocken Raum mit seiner besonderen Atmosphäre und guten Akustik wurde dem Publikum ein harmonisches  Programm geboten, das klassische Chorliteratur bis modernes Liedgut beinhaltete.

Die Allgemeine Zeitung schrieb unter der Überschrift „Note sehr gut für die Chöre": „Das Konzert war ein Glanzpunkt in der Reihe der Jubiläumsveranstaltungen im 1000-jährigen Marienborn".

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Trotz aller Erfolge kam es 1998/99 in beiden Chören zu einem Bruch.
Die immer geringer werdende Zahl der Sängerinnen und Sänger führte dazu, dass am 4. Februar 1999 unter dem Vorsitzenden Heinz Happel in einer Aktivenversammlung mit großer Mehrheit beschlossen wurde, die beiden nicht mehr lebensfähigen Chöre in einem gemischten Chor zusammenzuführen.

Chorleiter wurde Michael Voll, der mit 24 Sängerinnen und 9 Sängern im März 1999 mit den Chorproben begann.

Das bedeutete, dass der Männerchor nach 123 Jahren und der Frauenchor nach 13 Jahren vor dem „Aus" standen, aber gemeinsam in einem gemischten Chor den Schritt in das neue Jahrtausend wagten.
Gleichzeitig endete nach fast 30-jähriger guter Zusammenarbeit die Chorgemeinschaft Marienborn/Drais, die maßgeblich seit 1987 von Chorleiter Gerhard Vetter geprägt wurde.

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Im Jahre 2001 wurde unter dem Vorsitzenden Heinz Happel das 125-jährige Bestehen des Männergesangvereins gefeiert.
Am 18. März fand unter Mitwirkung des gemischten Chores sowie des Musikvereins Marienborn in der Pfarrkirche St. Stephan ein ökumenischer Festgottesdienst und im Anschluss in der Kulturhalle eine akademische Feier mit einer Ausstellung „125 Jahre MGV Marienborn" statt.
Das Jubiläumsjahr fand mit einem Konzert am 3. November seinen Abschluss.

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Auf Beschluss der Mitgliederversammlung vom 17. März 2005 führt der Verein seitdem den Namen: „Gesangverein 1876 Mainz-Marienborn e.V."

Im Jahre 2011 unternahm der 1. Vorsitzende Rainer Guyot einen Versuch, auch vermeintliche Nicht-Sängerinnen und Nicht-Sänger zum Singen zu bewegen.
Der Projektname "born2sing" wurde von Horst Hof ausgetüftelt, die erste Singstunde fand statt am 2. November 2011.
Nach anfänglicher Skepsis fanden sich immer mehr Teilnehmer ein und mittlerweile ist die Gruppe auf eine stattliche Anzahl Teilnehmer(innen) gewachsen - der bisherige Rekord: 19 Sängerinnen und Sänger.
Aus einem Versuch wurde ein großer Erfolg, mittlerweile ist born2sing ein wesentlicher Bestandteil des Gesangvereins.

Dem Verein gehören derzeit ca. 90 Mitglieder an; davon singen momentan 16 Frauen und 4 Männer im gemischten Chor, born2sing zählt bis zu 20 Frauen und Männer.
Vorsitzender ist seit 2017 Theo Jenniskens, Ehrenmitglied Heinz Happel und Chorleiter seit 1999 Michael Voll.

Hans Schwalbach
Theo Jenniskens
Copyright GV 1876 Mainz-Marienborn e.V.
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